Mehrsprachige Websites richtig aufsetzen: hreflang, Adressen, Fallstricke
Eine zweite Sprache ist die günstigste Art, Reichweite zu gewinnen – die Substanz liegt ja bereits vor. Sie ist auch die Stelle, an der die meisten technischen Fehler entstehen, weil vier Dinge gleichzeitig stimmen müssen und drei davon unsichtbar sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Unterverzeichnisse (
/en/) sind für die meisten Unternehmen die richtige Wahl – einfacher als eigene Domains, wirksamer als Parameter. - hreflang muss wechselseitig sein: Jede Fassung verweist auf alle anderen, auf sich selbst und auf eine Standardfassung.
- Adressen gehören mitübersetzt. Ein englischer Text unter einer deutschen Adresse ist eine halbe Übersetzung.
- Automatische Weiterleitung nach Browsersprache ist der häufigste schwere Fehler – sie sperrt Crawler und Nutzer aus.
Der technische Teil einer mehrsprachigen Seite ist überschaubar, wenn man ihn einmal richtig aufsetzt – und mühsam, wenn man ihn nachträglich korrigiert. Deshalb lohnt sich die halbe Stunde vorher.
Die Adressstruktur
| Variante | Beispiel | Geeignet für |
|---|---|---|
| Unterverzeichnis | beispiel.ch/en/ | fast alle – eine Domain, eine Stärke |
| Subdomain | en.beispiel.ch | getrennte Systeme oder Betreiber |
| Eigene Länderdomain | beispiel.de | eigenständige Marktauftritte mit eigenem Team |
| Parameter | beispiel.ch/?lang=en | nichts – vermeiden |
Unterverzeichnisse gewinnen fast immer, weil alle Sprachfassungen von der Stärke derselben Domain profitieren. Eigene Länderdomains verlangen, dass jede einzeln aufgebaut wird – das lohnt sich erst mit einem Team je Markt.
hreflang richtig setzen
Vier Regeln, die zusammen gelten müssen. Ist eine verletzt, wird die ganze Gruppe oft ignoriert.
- Wechselseitig. Wenn die deutsche Fassung auf die englische verweist, muss die englische auch auf die deutsche verweisen. Einseitige Angaben werden verworfen.
- Selbstverweis. Jede Seite verweist auch auf sich selbst. Wird häufig vergessen und ist nicht optional.
- Standardfassung angeben. Ein
x-defaultfür alle Sprachen, die nicht abgedeckt sind. - Absolute Adressen. Vollständig mit Protokoll und Domain, keine relativen Pfade.
de für Deutsch allgemein, de-CH für Deutsch in der Schweiz. Wer nur eine deutsche Fassung hat, nimmt de – nicht de-CH. Sonst bekommen deutsche und österreichische Besucher die Fassung nicht zugeordnet.
Sechs Fehler, die eine mehrsprachige Seite unsichtbar machen
1. Automatische Weiterleitung nach Browsersprache
Der schwerste Fehler. Crawler kommen meist mit amerikanischer Spracheinstellung und sehen dann nie die anderen Fassungen. Auch Nutzer kommen nicht mehr dorthin, wo sie hinwollten.
Richtig: Einen Hinweis einblenden mit Vorschlag, aber nicht umleiten. Die Wahl merken.
2. Adressen nicht übersetzt
/en/impressum/ statt /en/legal-notice/. Wirkt wie eine halbfertige Fassung – und verschenkt den Suchbegriff in der Adresse.
Richtig: Adresssegmente je Sprache übersetzen, dauerhaft festlegen und nicht mehr ändern.
3. Canonical zeigt auf die Hauptsprache
Wenn die englische Seite als kanonische Adresse die deutsche angibt, sagt ihr: Diese Seite ist ein Duplikat, nimm die andere. Sie verschwindet aus dem Index.
Richtig: Jede Sprachfassung ist ihre eigene kanonische Adresse.
4. Fehlendes lang-Attribut
<html lang="de"> fehlt oder steht in allen Fassungen gleich. Betrifft nicht nur Suchmaschinen, sondern auch Vorleseprogramme – dort führt es zu unverständlicher Aussprache.
Richtig: Je Fassung der passende Code, automatisch gesetzt.
5. Eine Sitemap für alles, ohne Sprachangaben
Ohne hreflang-Angaben in der Sitemap fehlt die Verbindung zwischen den Fassungen an der Stelle, an der sie am einfachsten erkannt würde.
Richtig: hreflang entweder in der Sitemap oder im <head> – konsequent an einer Stelle.
6. Teilübersetzte Seiten
Überschriften übersetzt, Fließtext deutsch. Für Suchmaschinen ist das eine Seite ohne klare Sprache – und für Besucher ein Vertrauensproblem.
Richtig: Lieber weniger Seiten vollständig als alle halb.
Wusstest du schon?
Übersetzen allein reicht nicht – vier Dinge müssen an das Land angepasst werden, nicht nur an die Sprache: Beträge in der Landeswährung, die zutreffende Rechtslage, ortsübliche Beispiele und Datumsformate.
Eine englische Fassung, die Schweizer Franken und das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz nennt, ist keine Fassung für den britischen Markt, sondern eine Übersetzung der Schweizer Seite. Das kann bewusst so gewollt sein – aber es sollte eine Entscheidung sein und kein Versehen.
Die Pflege ist das eigentliche Problem
Der Aufbau ist ein einmaliger Aufwand. Die Pflege ist dauerhaft – und dort scheitern mehrsprachige Seiten häufiger als an der Technik.
Nach einem Jahr sieht das typische Bild so aus: Die Hauptsprache hat 40 Seiten, die zweite 31, die dritte 22. Änderungen wurden in der Hauptsprache gemacht und in den anderen vergessen – und niemand weiß mehr, welche Fassung aktuell ist.
Dagegen hilft nur eine bauliche Entscheidung: Eine Änderung gilt erst als fertig, wenn sie in allen Sprachen nachgezogen ist. Wer das nicht durchhalten kann, sollte weniger Sprachen anbieten – drei gepflegte schlagen acht veraltete deutlich.
Prüfliste vor dem Start
- Jede Seite verweist per hreflang auf alle Fassungen, auf sich selbst und auf x-default
- Jede Fassung ist ihre eigene kanonische Adresse
<html lang>ist je Fassung korrekt gesetzt- Adresssegmente sind übersetzt und dauerhaft festgelegt
- Keine automatische Weiterleitung nach Browsersprache
- Die Sprachwahl ist sichtbar und funktioniert ohne JavaScript
- Beträge, Rechtsangaben und Beispiele sind angepasst, nicht nur übersetzt
- Es gibt einen festen Ablauf, der Änderungen in allen Sprachen nachzieht
Prüfe die mehrsprachige Einrichtung meiner Website. Angaben: - Domain: [Adresse] - Sprachen: [Liste mit Sprachcodes] - Adressstruktur: [Unterverzeichnis / Subdomain / eigene Domain] - hreflang-Block einer Beispielseite: [Block einfügen] - Canonical-Angabe derselben Seite: [einfügen] - lang-Attribut derselben Seite: [einfügen] - Gibt es eine automatische Weiterleitung nach Browsersprache? [ja / nein] - Sind die Adresssegmente übersetzt? [Beispiel je Sprache] Aufgaben: 1. Prüfe die vier hreflang-Regeln: wechselseitig, Selbstverweis, x-default vorhanden, absolute Adressen. Nenne jede Verletzung einzeln. 2. Prüfe, ob die Sprachcodes richtig gewählt sind – insbesondere, ob eine Regionsangabe zu eng gefasst ist. 3. Prüfe Canonical und lang-Attribut auf Widersprüche zur Sprachfassung. 4. Nenne die Punkte aus meiner Angabe, die eine Sprachfassung unsichtbar machen können, sortiert nach Schwere. 5. Gib mir den korrigierten hreflang-Block vollständig aus. Erfinde keine Adressen – markiere Fehlendes als [zu ergänzen].
Fazit
Technisch entscheidet sich eine mehrsprachige Seite an vier Stellen: Adressstruktur, wechselseitiges hreflang, eigene kanonische Adresse je Fassung, kein automatisches Umleiten. Sind diese vier richtig, funktioniert der Rest.
Die eigentliche Frage ist danach eine organisatorische: Schafft ihr es, jede Änderung in allen Sprachen nachzuziehen? Wenn nicht, sind weniger Sprachen die bessere Entscheidung.
Häufige Fragen
Welche Adressstruktur ist für mehrsprachige Websites am besten?
Unterverzeichnisse wie /en/ für fast alle Unternehmen: Alle Sprachfassungen profitieren von der Stärke derselben Domain, und die Verwaltung bleibt einfach. Eigene Länderdomains lohnen erst bei eigenständigen Marktauftritten mit eigenem Team; Sprachparameter in der Adresse sollten vermieden werden.
Was muss bei hreflang beachtet werden?
Vier Regeln gleichzeitig: Die Angaben müssen wechselseitig sein, jede Seite muss auch auf sich selbst verweisen, es braucht ein x-default für nicht abgedeckte Sprachen, und alle Adressen müssen absolut angegeben sein. Ist eine Regel verletzt, wird oft die gesamte Gruppe ignoriert.
Sollte man Besucher automatisch auf ihre Sprache weiterleiten?
Nein. Crawler kommen meist mit amerikanischer Spracheinstellung und sehen dann nie die anderen Fassungen; Nutzer landen nicht dort, wo sie hinwollten. Richtig ist ein Hinweis mit Vorschlag, der die getroffene Wahl merkt – ohne automatische Umleitung.
Müssen die Adressen übersetzt werden?
Ja. Ein englischer Text unter einer deutschen Adresse wirkt halbfertig und verschenkt den Suchbegriff in der Adresse. Die Adresssegmente sollten je Sprache übersetzt und dann dauerhaft festgelegt werden – spätere Änderungen kosten die aufgebaute Sichtbarkeit.
Wie viele Sprachen sind sinnvoll?
So viele, wie dauerhaft gepflegt werden können. Der häufigste Zustand nach einem Jahr sind unterschiedlich vollständige Fassungen, bei denen niemand mehr weiß, welche aktuell ist. Drei gepflegte Sprachen wirken deutlich besser als acht veraltete – entscheidend ist ein fester Ablauf, der jede Änderung in allen Fassungen nachzieht.
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