Keyword-Recherche selbst machen: Vorgehen ohne teure Werkzeuge
Suchvolumen ist die am häufigsten überschätzte Zahl im Online-Marketing. Sie kostet zwischen 99 und 400 Franken im Monat und beantwortet die eine Frage nicht, auf die es ankommt: Bringt dieser Suchbegriff jemanden, der kaufen will. Dieser Ablauf kommt ohne sie aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine brauchbare Keyword-Recherche entsteht aus fünf kostenlosen Quellen: Suchvorschlägen, den Fragen in den Ergebnissen, der Search Console, den Wettbewerbsseiten und den eigenen Kundengesprächen.
- Suchvolumen ist für kleine Unternehmen die unwichtigste Kennzahl. Entscheidend sind Absicht und Erreichbarkeit.
- Die Bewertung erfolgt über drei Ja-Nein-Fragen statt über Zahlenkolonnen – das ist schneller und für die Entscheidung genauso tragfähig.
- Bezahlte Werkzeuge lohnen sich ab etwa 30 Beiträgen im Jahr oder wenn Werbebudget verteilt werden muss. Davor nicht.
Der übliche Einstieg in die Suchmaschinenoptimierung lautet: Werkzeug abonnieren, Begriff eingeben, Liste nach Volumen sortieren, oben anfangen. Das Ergebnis ist eine Liste von Begriffen, bei denen alle anderen auch oben anfangen – und bei denen das Volumen aus Leuten besteht, die nie etwas kaufen.
Der folgende Ablauf dreht die Reihenfolge um: Er beginnt bei dem, was eure Kunden tatsächlich fragen, und prüft erst am Ende, ob der Begriff erreichbar ist.
Schritt 1: Die Rohliste aus fünf Quellen
Ziel dieses Schritts sind 80 bis 200 Begriffe und Fragen, unsortiert. Bewertet wird noch nicht.
Quelle 1 – Eigene Kundengespräche
Wie beschreiben Kunden ihr Problem, bevor sie euren Fachbegriff kennen? Diese Formulierungen sind die wertvollsten der ganzen Liste, weil sie kein Wettbewerber aus einem Werkzeug ziehen kann.
Quelle: Notizen, E-Mails, AngebotsanfragenQuelle 2 – Suchvorschläge
Begriff in die Suche tippen und die Vorschläge notieren. Dann denselben Begriff mit vorangestelltem „wie", „warum", „was kostet", „welche" und mit jedem Buchstaben von a bis z durchgehen.
Quelle: Google, Bing, YouTube – jeweils unterschiedliche ErgebnisseQuelle 3 – Fragen in den Suchergebnissen
Der Kasten „Ähnliche Fragen" ist eine kostenlose Fragendatenbank. Jede aufgeklappte Frage erzeugt neue. Zwanzig Minuten Klicken ergeben 40 bis 60 echte Fragen.
Quelle: Suchergebnisseite selbstQuelle 4 – Die eigene Search Console
Unter „Leistung" stehen die Suchanfragen, bei denen ihr bereits erscheint – mit Position. Alles auf Platz 5 bis 20 ist erreichbares Terrain und meist der schnellste Zugewinn überhaupt.
Quelle: Google Search Console, kostenlosQuelle 5 – Wettbewerbsseiten
Die drei bis fünf Anbieter, die in eurem Feld gut ranken: Welche Überschriften verwenden sie, welche Fragen beantworten sie? Nicht kopieren – die Lücken suchen.
Quelle: Wettbewerber, Fachmedien, ForenWusstest du schon?
Ein erheblicher Teil aller Suchanfragen wird zum ersten Mal überhaupt gestellt. Diese Anfragen tauchen in keinem Werkzeug mit Volumen auf – sie haben schlicht noch keins.
Gleichzeitig sind sie besonders wertvoll: Wer so genau formuliert, ist meist näher an einer Entscheidung als jemand, der einen kurzen allgemeinen Begriff eingibt. Genau deshalb kostet die Fixierung auf Suchvolumen kleine Anbieter überproportional viel.
Schritt 2: Nach Absicht sortieren
Jetzt bekommt jeder Begriff der Rohliste genau eine von vier Marken. Die Zuordnung dauert pro Begriff zwei Sekunden.
| Absicht | Erkennungsmerkmal | Beispiel | Wert für euch |
|---|---|---|---|
| Wissen | was, warum, Bedeutung | „was ist ein leadmagnet" | gering bis mittel |
| Vorgehen | wie, Anleitung, Vorlage | „keyword recherche selbst machen" | hoch |
| Vergleich | oder, vs, Alternative, Test | „excel oder crm" | sehr hoch |
| Kauf | kaufen, Preis, Kosten, Anbieter | „marketing automation kosten" | sehr hoch |
Wer wenig Zeit hat, streicht alles unter „Wissen" ersatzlos und beginnt bei „Vorgehen" und „Vergleich". Das ist unbequem, weil Wissensfragen die einfachsten Texte ergeben – und genau deshalb produzieren sie fast alle.
Schritt 3: Erreichbarkeit prüfen – ohne Werkzeug
Für jeden verbliebenen Begriff öffnet ihr die Suchergebnisseite und beantwortet drei Fragen. Zwei Minuten pro Begriff.
- Wer steht auf den ersten fünf Plätzen? Stehen dort nur große Portale, Fachmedien und Marktführer, ist der Begriff auf Jahre nicht erreichbar. Steht dort mindestens ein Anbieter eurer Größe, ist er erreichbar.
- Wie gut sind die Ergebnisse wirklich? Oberflächliche Texte auf den ersten Plätzen sind eine Einladung. Drei ausführliche, aktuelle Beiträge sind eine Warnung.
- Beantwortet die Suchmaschine die Frage schon selbst? Wenn oben ein direkter Antwortkasten steht und die Frage damit erledigt ist, gibt es dort kaum Klicks zu holen. Dann lohnt sich der Begriff nur, wenn ihr die zitierte Quelle werden wollt – was ein anderes Ziel ist.
Schritt 4: Bündeln statt vereinzeln
Der häufigste Fehler nach der Recherche: Für jeden Begriff wird ein eigener Beitrag geplant. Das führt zu 40 dünnen Texten, die sich gegenseitig Konkurrenz machen.
Richtig ist das Gegenteil. Begriffe, die dieselbe Frage in anderen Worten stellen, gehören in einen Beitrag. „keyword recherche kostenlos", „keyword recherche ohne tool", „keyword recherche selbst machen" und „wie finde ich die richtigen suchbegriffe" sind eine Seite, nicht vier.
Als Faustregel: Wenn ihr beim Schreiben denselben Text zweimal schreiben würdet, war es ein Bündel. Zwölf gebündelte Themen sind mehr wert als vierzig einzelne.
Die Search Console liefert nach einigen Monaten den ehrlichsten Teil der Recherche: die Anfragen, bei denen ihr auf Position 6 bis 15 steht. Für diese Begriffe hält euch die Suchmaschine bereits für halbwegs passend – der Weg auf die erste Seite ist dort kürzer als bei jedem neuen Thema.
In der Praxis bringt das Überarbeiten von fünf bestehenden Beiträgen fast immer mehr als fünf neue. Es fühlt sich nur nicht nach Fortschritt an, weil hinterher nichts Neues in der Liste steht.
Schritt 5: Reihenfolge festlegen
Aus den gebündelten Themen entsteht eine sortierte Liste. Ganz oben steht, was drei Bedingungen erfüllt: erreichbare Ergebnisseite, Absicht „Vergleich" oder „Kauf", und ihr habt tatsächlich etwas Eigenes dazu zu sagen.
Die dritte Bedingung wird am häufigsten übergangen und ist die wichtigste. Ein Thema, zu dem ihr nur zusammenfassen könnt, was anderswo steht, gewinnt weder bei Suchmaschinen noch bei KI-Antworten.
Ich habe eine Rohliste von Suchbegriffen aus meiner Branche gesammelt. Meine Ausgangslage: - Was wir anbieten: [Angebot] - Zielgruppe: [so eng wie möglich] - Region/Sprache: [z. B. Schweiz, Deutsch] Hier die Rohliste: [Liste einfügen, ein Begriff pro Zeile] Aufgaben: 1. Ordne jedem Begriff genau eine Absicht zu: Wissen / Vorgehen / Vergleich / Kauf. 2. Fasse Begriffe, die dieselbe Frage in anderen Worten stellen, zu Bündeln zusammen. Nenne je Bündel einen Hauptbegriff und die Varianten. 3. Formuliere je Bündel eine Überschrift, die das Ergebnis benennt, nicht das Thema. 4. Sortiere die Bündel nach Nähe zur Kaufentscheidung, nicht nach vermuteter Suchmenge. Wichtig: Erfinde keine Suchvolumen und keine Schwierigkeitswerte. Wenn du eine Zahl nicht kennst, schreibe "nicht erhoben".
Ab wann sich bezahlte Werkzeuge lohnen
Es gibt drei klare Auslöser. Vorher ist der Aufwand nicht gerechtfertigt.
Wenn Werbebudget verteilt wird. Sobald echtes Geld auf Suchbegriffe verteilt wird, sind Volumen- und Kostendaten kein Luxus mehr, sondern Voraussetzung.
Ab etwa 30 Beiträgen im Jahr. Bei dieser Menge kostet manuelle Recherche mehr Arbeitszeit als das Abonnement.
Wenn mehrere Sprachen dazukommen. Eine Rohliste je Sprache manuell zu erheben ist machbar. Zehn Sprachen sind es nicht.
Fazit
Eine belastbare Keyword-Recherche ist Fleißarbeit, kein Werkzeugproblem. Die fünf Quellen liefern in drei bis vier Stunden eine Liste, die für ein Jahr Inhalte trägt.
Was dabei fehlt, ist die Zahl im Feld „Suchvolumen". Was dafür entsteht, ist eine Liste aus echten Formulierungen von Menschen, die tatsächlich etwas brauchen – und genau die fehlt in den meisten werkzeuggestützten Recherchen.
Häufige Fragen
Wie macht man eine Keyword-Recherche ohne Bezahlwerkzeug?
Über fünf kostenlose Quellen: eigene Kundengespräche, die Suchvorschläge der Suchmaschinen, den Fragenkasten in den Ergebnissen, die eigene Google Search Console und die Seiten der Wettbewerber. Aus der Rohliste wird nach Suchabsicht sortiert, die Erreichbarkeit direkt in den Suchergebnissen geprüft und ähnliche Begriffe zu Themenbündeln zusammengefasst.
Braucht man wirklich Suchvolumen-Daten?
Für die Inhaltsplanung kleiner und mittlerer Unternehmen selten. Entscheidend sind Suchabsicht und Erreichbarkeit der Ergebnisseite – beides lässt sich ohne Werkzeug beurteilen. Notwendig werden Volumendaten, sobald bezahlte Werbung geschaltet wird oder mehr als etwa 30 Beiträge im Jahr geplant sind.
Wie lange dauert eine Keyword-Recherche?
Für die vollständige Erstrecherche sind drei bis vier Stunden realistisch: eine Stunde für die Rohliste, eine halbe für die Absichtszuordnung, ein bis zwei Stunden für die Erreichbarkeitsprüfung und eine halbe für das Bündeln. Das Ergebnis trägt in der Regel ein Jahr.
Kann man ein Sprachmodell für die Keyword-Recherche nutzen?
Für das Sortieren, Bündeln und Formulieren ja – dort ist es schnell und zuverlässig. Nicht für Suchvolumen oder Schwierigkeitswerte: Modelle haben keinen Zugriff auf Anfragedaten und geben auf Nachfrage plausibel aussehende, aber erfundene Zahlen aus. Deshalb gehört in den Prompt immer die Anweisung, unbekannte Zahlen als „nicht erhoben" zu kennzeichnen.
Wie viele Keywords braucht eine Seite?
Einen Hauptbegriff und die Varianten, die dieselbe Frage anders stellen – typischerweise drei bis acht. Für jede Variante eine eigene Seite anzulegen, führt dazu, dass die eigenen Seiten miteinander konkurrieren und keine davon stark genug wird.
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