Marketing-ROI berechnen, wenn der Verkaufszyklus Monate dauert
Bei einem Verkaufszyklus von sechs Monaten gehören die Marketingkosten aus dem ersten Quartal zu den Abschlüssen im dritten. Wer beides im selben Monat vergleicht, misst nicht ungenau, sondern falsch – und entscheidet auf dieser Grundlage regelmäßig gegen das, was funktioniert.
Das Wichtigste in Kürze
- Kosten und Erträge müssen demselben Vorgang zugeordnet werden, nicht demselben Monat.
- Praktikabel sind zwei Verfahren: Kohortenbetrachtung nach Eintrittsmonat oder ein rollierender Zwölfmonatswert.
- Zwei Hilfsgrößen geben früher Auskunft als der ROI: die Anzahl qualifizierter Anfragen und die Zeit von Anfrage bis Erstgespräch.
- Die eigene Arbeitszeit gehört in den Zähler. Ohne sie ist jeder Vergleich zwischen Kanälen wertlos.
Warum Monatswerte falsch sind
Ein Beispiel macht es deutlich. Ein Unternehmen mit sechsmonatigem Verkaufszyklus verdoppelt im Januar sein Marketingbudget. Im Februar und März steigen die Kosten, die Abschlüsse bleiben gleich – der ROI sieht schlecht aus. Im April wird gekürzt. Im Juli kommen die Abschlüsse aus den Januar-Anfragen, während die Kosten wieder niedrig sind – der ROI sieht hervorragend aus.
Beide Zahlen sind falsch, und beide führen zur falschen Entscheidung: erst kürzen, wenn es wirkt, dann bestätigt fühlen, wenn nichts mehr nachkommt.
Zwei praktikable Verfahren
1. Kohortenbetrachtung – genauer
Alle Anfragen eines Monats werden als Gruppe betrachtet und über die gesamte Zykluslänge verfolgt: Wie viele davon wurden Kunden, mit welchem Umsatz? Dem gegenüber stehen die Marketingkosten genau dieses Monats.
Vorteil: ordnet Kosten und Erträge richtig zu. Nachteil: Das Ergebnis für Januar liegt erst im Juli vor.
2. Rollierender Zwölfmonatswert – einfacher
Kosten und Erträge der jeweils letzten zwölf Monate werden ins Verhältnis gesetzt, monatlich fortgeschrieben.
Vorteil: monatlich verfügbar, glättet Schwankungen. Nachteil: reagiert träge auf Änderungen und ordnet einzelne Maßnahmen nicht zu.
Für die meisten kleinen Unternehmen ist der rollierende Wert die richtige Wahl für den laufenden Bericht, ergänzt um eine Kohortenbetrachtung einmal jährlich.
Wusstest du schon?
Die Zykluslänge sollte als Median angegeben werden, nicht als Durchschnitt. Ein einzelner Auftrag, der vierzehn Monate gedauert hat, verschiebt den Durchschnitt erheblich – und mit ihm die gesamte Zuordnung.
Praktisch bedeutet das: Nehmt alle abgeschlossenen Vorgänge des letzten Jahres, sortiert sie nach Dauer und nehmt den mittleren Wert. Diese eine Zahl bestimmt, über welchen Zeitraum ihr Kosten und Erträge zusammenführt – sie ist damit die wichtigste Größe der ganzen Rechnung.
Was in die Kosten gehört
| Posten | Gehört dazu? | Anmerkung |
|---|---|---|
| Mediabudget | ja | im Monat der Ausgabe |
| Externe Dienstleister | ja | im Monat der Leistung |
| Eigene Arbeitszeit | ja | Stunden mal internem Satz |
| Werkzeuge und Lizenzen | ja | anteilig je Monat |
| Einmalige Aufbauten | verteilt | über die Nutzungsdauer, nicht auf einen Monat |
| Vertriebszeit nach der Übergabe | nein | gehört zum Vertrieb, nicht zum Marketing |
Die dritte Zeile entscheidet über die Aussagekraft. Ohne die eigene Arbeitszeit sieht jeder Kanal ohne Mediabudget kostenlos aus – und die Rangfolge zwischen den Kanälen dreht sich regelmäßig um, sobald sie eingerechnet wird.
Zwei Größen, die früher Auskunft geben
Der ROI ist bei langen Zyklen ein Rückblick. Wer früher wissen will, ob eine Änderung wirkt, braucht Größen, die schneller reagieren.
- Qualifizierte Anfragen pro Monat. Reagiert innerhalb von Wochen und ist die direkteste Folge von Marketingarbeit. Voraussetzung: „qualifiziert" ist schriftlich definiert.
- Zeit von Anfrage bis Erstgespräch. Reagiert sofort und wirkt später auf die Abschlussquote. Sie ist keine Marketingkennzahl im engeren Sinn, beeinflusst aber den ROI stärker als die meisten Marketingmaßnahmen.
Ein Muster, das sich wiederholt: Ein Unternehmen mit neunmonatigem Zyklus bewertet Marketing quartalsweise und stellt regelmäßig fest, dass sich nichts rechnet. Nach drei Quartalen wird gekürzt – genau in dem Moment, in dem die ersten Vorgänge aus der Aufbauphase reif werden.
Die Abhilfe ist unspektakulär: einen Bewertungszeitpunkt festlegen, der zur Zykluslänge passt, und bis dahin nur die Zuflussgrößen betrachten. Bei neun Monaten Zyklus ist die erste ehrliche ROI-Aussage nach etwa fünfzehn Monaten möglich – das gehört vor dem Start ausgesprochen, nicht danach.
Was ehrlich nicht zuordenbar bleibt
- Empfehlungen. Wer über ein Gespräch kommt, hat vielleicht vor einem Jahr einen Beitrag gelesen. Diese Kette ist nicht rekonstruierbar.
- Nennungen in KI-Antworten ohne Klick. Sie hinterlassen keine Spur und sind vermutlich der größere Teil dieser Wirkung.
- Der Effekt des Unterlassens. Was ohne die Maßnahme passiert wäre, weiß niemand.
Die einzige belastbare Hilfsgröße ist die Frage im Erstgespräch: „Wie sind Sie auf uns gekommen?" Ungenau, aber sie erfasst genau die Fälle, die keine Messung erreicht.
Hilf mir, den Marketing-ROI bei unserem langen Verkaufszyklus richtig zu rechnen. Unsere Zahlen: - Median-Dauer von Anfrage bis Abschluss: [Angabe] - Marketingkosten je Monat, letzte 12 Monate: [Tabelle] - Eigene Marketingstunden je Monat: [Angabe] - Interner Stundensatz: [Betrag] - Qualifizierte Anfragen je Monat, letzte 12 Monate: [Tabelle] - Abschlüsse je Monat mit Umsatz und Eintrittsmonat der ursprünglichen Anfrage, soweit bekannt: [Tabelle] - Einmalige Aufbauten im Zeitraum: [Posten und Beträge] Aufgaben: 1. Sag mir, über welchen Zeitraum Kosten und Erträge bei uns zusammengeführt werden müssen, und begründe mit der Median-Dauer. 2. Rechne den rollierenden Zwölfmonatswert aus. Zeig die Rechnung und rechne die eigene Arbeitszeit mit ein. 3. Falls die Eintrittsmonate vorliegen: Rechne zusätzlich eine Kohortenbetrachtung für die drei ältesten vollständigen Monate. 4. Verteile die einmaligen Aufbauten sinnvoll statt sie einem Monat zuzuschlagen. Begründe die Nutzungsdauer. 5. Nenne den frühesten Zeitpunkt, zu dem eine ehrliche ROI-Aussage über eine heute gestartete Maßnahme möglich ist – und welche zwei Zuflussgrössen wir bis dahin betrachten sollten. Erfinde keine Zahlen. Wo Daten fehlen, sag welche.
Fazit
Bei langen Zyklen ist der Monatsvergleich nicht ungenau, sondern systematisch irreführend – und er wirkt genau gegen die richtige Entscheidung. Die Abhilfe besteht aus zwei Schritten: die Median-Zykluslänge bestimmen und Kosten und Erträge über diesen Zeitraum zusammenführen.
Bis das erste Ergebnis vorliegt, steuert man über die Zuflussgrößen. Und man sagt vor dem Start, wann die erste ehrliche Aussage möglich ist – sonst wird gekürzt, kurz bevor es wirkt.
Häufige Fragen
Wie berechnet man den Marketing-ROI bei langen Verkaufszyklen?
Indem Kosten und Erträge demselben Vorgang zugeordnet werden, nicht demselben Monat. Praktikabel sind zwei Verfahren: die Kohortenbetrachtung, bei der alle Anfragen eines Monats über die gesamte Zykluslänge verfolgt und den Kosten dieses Monats gegenübergestellt werden, oder ein rollierender Zwölfmonatswert.
Warum sind Monatswerte bei langen Zyklen falsch?
Weil die Kosten in einem Zeitraum anfallen und die Abschlüsse in einem anderen. Wer das Budget erhöht, sieht zuerst nur die Kosten und kürzt – und sieht danach gute Werte, weil die Abschlüsse aus der teuren Phase bei inzwischen niedrigen Kosten eintreffen. Der Fehler ist systematisch und wirkt gegen die richtige Entscheidung.
Welche Zykluslänge legt man zugrunde?
Den Median aller abgeschlossenen Vorgänge des letzten Jahres, nicht den Durchschnitt. Ein einzelner sehr langer Vorgang verschiebt den Durchschnitt erheblich und mit ihm die gesamte Zuordnung. Diese eine Zahl bestimmt, über welchen Zeitraum Kosten und Erträge zusammengeführt werden.
Welche Kennzahlen geben früher Auskunft?
Zwei: die Anzahl qualifizierter Anfragen pro Monat, die innerhalb weniger Wochen auf Marketingarbeit reagiert, und die Zeit von Anfrage bis Erstgespräch, die sofort reagiert und die spätere Abschlussquote stark beeinflusst. Beide dienen als Steuerungsgrößen, bis der ROI aussagefähig wird.
Gehört die eigene Arbeitszeit in die Rechnung?
Ja, zwingend. Ohne sie erscheint jeder Kanal ohne Mediabudget kostenlos, und die Rangfolge zwischen den Kanälen dreht sich regelmäßig um, sobald sie eingerechnet wird. Nicht dazu gehört die Vertriebszeit nach der Übergabe – die zählt zum Vertrieb.
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