Die sieben Marketing-Kennzahlen, die im B2B wirklich zählen

Die meisten Marketingberichte in kleinen Unternehmen enthalten zwanzig Zahlen, von denen keine eine Entscheidung verändert. Sieben reichen – wenn man dazusagt, welche Frage jede beantwortet und wann sie lügt.

Von vielen verstreuten Punkten leuchten genau sieben hell und sind zu einem Sternbild verbunden

Das Wichtigste in Kürze

  • Sieben Kennzahlen reichen für die Steuerung: Anfragen, Anfragequelle, Abschlussquote je Stufe, Kosten pro Anfrage, Kosten pro Kunde, Dauer bis zum Abschluss und Kundenwert.
  • Jede Zahl braucht drei Angaben: die Frage, die sie beantwortet, den Erhebungsrhythmus und die Bedingung, unter der sie in die Irre führt.
  • Drei viel genutzte Kennzahlen kann man in kleinen Unternehmen guten Gewissens weglassen.
  • Die häufigste Fehlinterpretation: Monatswerte bei langen Verkaufszyklen. Was im März ausgegeben wurde, schließt im September ab.

Es gibt zwei Arten von Kennzahlen: solche, die eine Entscheidung verändern können, und solche, die man nur berichtet. Die zweite Gruppe ist die größere – und sie kostet jeden Monat Zeit.

Der Test ist einfach: Wenn diese Zahl sich verdoppeln oder halbieren würde, was würdet ihr anders machen? Fällt die Antwort schwer, gehört sie nicht in den Bericht.

Die sieben

1. Qualifizierte Anfragen pro Monat

Beantwortet: Kommt oben genug herein?
Rhythmus: monatlich, betrachtet über drei Monate.
Führt in die Irre, wenn: „qualifiziert" nicht definiert ist. Ohne eine feste Bedingung – etwa „passt in die Zielgruppe und hat ein benanntes Anliegen" – misst die Zahl das Wetter.

2. Anfragen nach Quelle

Beantwortet: Wo lohnt sich weitere Arbeit?
Rhythmus: monatlich.
Führt in die Irre, wenn: nur die letzte Station gezählt wird. Wer über einen Beitrag kommt, drei Wochen später sucht und dann anruft, erscheint als „Direkteingabe" – und der Beitrag bekommt keine Anerkennung.

3. Abschlussquote je Stufe

Beantwortet: Wo genau bricht es ab?
Rhythmus: vierteljährlich.
Führt in die Irre, wenn: nur die Gesamtquote betrachtet wird. „12 Prozent" sagt nicht, ob das Problem beim Erstkontakt oder beim Angebot liegt – und das sind völlig verschiedene Baustellen.

4. Kosten pro Anfrage

Beantwortet: Was kostet der Zufluss?
Rhythmus: vierteljährlich.
Führt in die Irre, wenn: die eigene Arbeitszeit nicht mitgerechnet wird. Ein Kanal, der scheinbar nichts kostet, aber sechs Stunden pro Woche verschlingt, ist der teuerste im Haus.

5. Kosten pro gewonnenem Kunden

Beantwortet: Rechnet sich das?
Rhythmus: halbjährlich.
Führt in die Irre, wenn: die Verzögerung ignoriert wird. Bei sechs Monaten Verkaufszyklus gehören die Kosten aus dem ersten Quartal zu den Abschlüssen im dritten. Monatsweise gerechnet ergibt diese Zahl Unsinn.

6. Dauer bis zum Abschluss

Beantwortet: Wie lange bindet ein Vorgang Mittel?
Rhythmus: halbjährlich.
Führt in die Irre, wenn: der Mittelwert benutzt wird. Ein einzelner Großauftrag mit vierzehn Monaten verschiebt ihn erheblich. Der Median ist hier die ehrlichere Zahl.

7. Kundenwert über die Laufzeit

Beantwortet: Wie viel darf ein Kunde kosten?
Rhythmus: jährlich.
Führt in die Irre, wenn: zu früh berechnet. Ohne mehrere Jahre Historie ist das eine Annahme, keine Kennzahl – und sie wird fast immer zu optimistisch angesetzt.

Eine große leuchtende, aber hohle Form links, rechts eine kleine dichte Form mit echtem Gewicht
Die auffälligste Zahl ist selten die aussagekräftigste.

Drei Kennzahlen, die man weglassen kann

Öffnungsrate von E-Mails. Seit Postfächer Bilder vorab laden, misst sie zu einem erheblichen Teil Technik statt Interesse. Die Klickrate auf einen bestimmten Link ist deutlich aussagekräftiger.

Reichweite in sozialen Netzwerken. Sie schwankt mit Entscheidungen, die ihr nicht beeinflusst. Wenn dieser Kanal wichtig ist, zählt, wie viele Menschen von dort auf eure Seite kommen – nicht, wie vielen etwas angezeigt wurde.

Seitenaufrufe insgesamt. Ohne Aufschlüsselung nach Quelle und Seite ist das eine Zahl, die steigt, wenn ein Beitrag zufällig geteilt wurde. Nützlich wird sie erst je Seite und je Quelle.

Wusstest du schon?

Bei Verkaufszyklen über drei Monaten sind Monatsberichte für alle Ergebniskennzahlen irreführend – nicht ungenau, sondern systematisch falsch. Die Kosten fallen in einem Zeitraum an, der Abschluss in einem anderen.

In der Praxis führt das regelmäßig zu einer teuren Fehlentscheidung: Ein Kanal wird nach zwei schwachen Monaten eingestellt, obwohl die Vorgänge aus dieser Zeit noch gar nicht abgeschlossen sein können. Wer lange Zyklen hat, berichtet Zuflusszahlen monatlich und Ergebniszahlen quartalsweise – rollierend über zwölf Monate.

Der Monatsbericht auf einer Seite

Ein Bericht, der länger als eine Seite ist, wird nicht gelesen. Drei Blöcke reichen.

BlockInhaltUmfang
ZuflussAnfragen gesamt, nach Quelle, Veränderung zum Vorquartal3 Zahlen
ErgebnisAbschlüsse, Abschlussquote je Stufe, Median-Dauer3 Zahlen
EntscheidungWas wir daraufhin tun, was wir lassen3 Sätze

Der dritte Block ist der wichtigste und fehlt in den meisten Berichten. Ohne ihn ist ein Bericht eine Dokumentation, keine Steuerung.

Aus der Praxis

Ein wiederkehrendes Muster: Ein Kanal liefert wenige Anfragen, aber die mit der höchsten Abschlussquote. In der Zuflussbetrachtung sieht er schwach aus und wird gekürzt – drei Quartale später fehlen die guten Kunden, und niemand verbindet das mit der Entscheidung.

Deshalb gehört jede Quelle immer mit zwei Zahlen in den Bericht: wie viele Anfragen sie liefert und was daraus wird. Eine Quelle nur nach Menge zu beurteilen, ist die häufigste teure Fehlentscheidung im B2B-Marketing.

Was man ehrlich nicht messen kann

Ein Teil der Wirkung ist nicht zuordenbar, und das offen zu sagen ist besser als eine erfundene Zuordnung.

  • Empfehlungen. Wer über ein Gespräch kommt, hat euch vielleicht vor einem Jahr in einem Fachbeitrag gelesen. Diese Kette ist nicht rekonstruierbar.
  • Erwähnungen in KI-Antworten. Es gibt keine Konsole dafür. Messbar ist nur der Verweisverkehr, und der ist die Spitze.
  • Der Effekt des Nichtstuns. Was passiert wäre, wenn ihr den Kanal nicht bespielt hättet, weiß niemand.

Die einzige belastbare Hilfsgröße dafür ist die Frage im Erstgespräch: „Wie sind Sie auf uns gekommen?" Sie ist ungenau, aber sie ist näher an der Wahrheit als jede automatische Zuordnung über die letzte Station.

Prompt
Hilf mir, meinen Marketingbericht auf das Wesentliche zu kürzen.

Unsere Lage:
- Branche und Zielgruppe: [Angabe]
- Typische Dauer vom Erstkontakt bis zum Abschluss: [Angabe]
- Kanäle, die wir bespielen: [Liste]
- Zahlen, die wir heute monatlich berichten: [Liste]

Aufgaben:
1. Ordne jede unserer heutigen Zahlen einer dieser drei Gruppen zu:
   verändert eine Entscheidung / nur Dokumentation / irreführend
   bei unserer Zyklusdauer. Begründe jede Zuordnung in einem Satz.
2. Schlage vor, welche Zahlen wir stattdessen erheben sollten, und
   nenne je Zahl: die Frage, die sie beantwortet, den Rhythmus, und
   die Bedingung, unter der sie in die Irre führt.
3. Entwirf einen Bericht auf einer Seite mit drei Blöcken:
   Zufluss, Ergebnis, Entscheidung.
4. Sag mir, welche Wirkung wir bei unserem Aufbau ehrlicherweise
   nicht messen können.

Erfinde keine Vergleichswerte aus der Branche.

Fazit

Mehr Zahlen führen nicht zu besseren Entscheidungen, sondern zu längeren Sitzungen. Sieben Kennzahlen decken die Steuerung ab, wenn zu jeder dazusteht, welche Frage sie beantwortet und wann sie lügt.

Der wichtigste Teil des Berichts sind ohnehin nicht die Zahlen, sondern die drei Sätze darunter: was daraufhin getan und was gelassen wird. Ein Bericht ohne diese drei Sätze kann man ersatzlos streichen.

Häufige Fragen

Welche Marketing-Kennzahlen sind im B2B wirklich wichtig?

Sieben: qualifizierte Anfragen pro Monat, Anfragen nach Quelle, Abschlussquote je Stufe, Kosten pro Anfrage, Kosten pro gewonnenem Kunden, Median-Dauer bis zum Abschluss und Kundenwert über die Laufzeit. Alle anderen sind entweder Ableitungen davon oder verändern keine Entscheidung.

Wie oft sollte man Marketing-Kennzahlen erheben?

Zuflusszahlen wie Anfragen monatlich, Abschlussquoten und Kosten pro Anfrage vierteljährlich, Kosten pro Kunde und Zyklusdauer halbjährlich, Kundenwert jährlich. Bei Verkaufszyklen über drei Monaten sind monatliche Ergebniszahlen systematisch irreführend, weil Kosten und Abschluss in verschiedene Zeiträume fallen.

Welche Kennzahlen kann man weglassen?

Die Öffnungsrate von E-Mails, weil Postfächer Bilder automatisch laden und sie damit Technik statt Interesse misst; die Reichweite in sozialen Netzwerken, weil sie von fremden Entscheidungen abhängt; und Seitenaufrufe insgesamt, solange sie nicht nach Seite und Quelle aufgeschlüsselt sind.

Warum ist der Median besser als der Durchschnitt?

Bei der Dauer bis zum Abschluss verschiebt ein einzelner sehr langer Vorgang den Durchschnitt erheblich, während der Median den typischen Fall zeigt. Für Planung und Kapazitätsfragen ist der typische Fall die nützlichere Größe.

Wie ordnet man Anfragen der richtigen Quelle zu?

Automatische Zuordnung erfasst meist nur die letzte Station und schreibt langfristig wirkende Kanäle wie Fachbeiträge oder Empfehlungen der Direkteingabe zu. Die ehrlichste Hilfsgröße bleibt die Frage im Erstgespräch, wie jemand auf euch gekommen ist – ungenau, aber näher an der Wahrheit.

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