Automatisierung eingeführt: Was in den ersten sechs Monaten passiert

Der Verlauf einer Einführung ist erstaunlich vorhersehbar: erst Aufbruch, dann ein Einbruch, dann eine unspektakuläre Phase, in der es tatsächlich anfängt zu wirken. Wer den Einbruch kennt, hält ihn aus.

Eine leuchtende Struktur ist zur Hälfte gebaut, der vordere Teil fertig, der hintere noch offenes Gerüst

Das Wichtigste in Kürze

  • Im zweiten Monat dauert alles länger als vorher – das ist der Normalzustand, nicht ein Zeichen für eine falsche Entscheidung.
  • Die meisten Einführungen scheitern an einer von drei Stellen: unbereinigte Daten, zu viele Abläufe gleichzeitig, kein Zuständiger nach der Einrichtung.
  • Die ersten belastbaren Zeichen kommen im vierten Monat – und zwar bei den Zuflusszahlen, nicht bei den Abschlüssen.
  • Nach sechs Monaten sollten drei bis vier Abläufe laufen, nicht zehn.

Der Verlauf

Monat 1 – Aufräumen

Der Monat, in dem nichts Sichtbares passiert: Daten bereinigen, Dubletten zusammenführen, Felder festlegen, Zugänge einrichten. Ein bis drei Tage reine Aufräumarbeit.

Gefühl: zäh. Gefahr: abkürzen. Wer schmutzige Daten importiert, hat danach ein teures schmutziges System.

Monat 2 – Der Einbruch

Der erste Ablauf läuft, und alles dauert länger als vorher. Jeder Handgriff ist neu, jeder Sonderfall muss geklärt werden. Die Frage „war das eine gute Idee?" kommt zuverlässig.

Gefühl: schlechter als vor der Einführung. Gefahr: aufhören.

Monat 3 – Gewöhnung

Der erste Ablauf läuft ohne Nachdenken, der zweite kommt dazu. Die ersten Sonderfälle sind geklärt, es entsteht eine Routine.

Gefühl: neutral. Gefahr: zu viel gleichzeitig nachlegen.

Monat 4 – Erste Zeichen

Die Zuflusszahlen bewegen sich: mehr beantwortete Anfragen, kürzere Reaktionszeit, weniger vergessene Nachfassungen. Abschlüsse noch nicht – dafür ist es zu früh.

Gefühl: vorsichtig positiv. Gefahr: zu früh auf Abschlüsse schauen.

Monat 5 – Nachschärfen

Die erste Durchsicht: Welche Felder bleiben leer, welche Abläufe laufen ins Leere, welche Nachricht wird nie geöffnet? Aufräumen statt anbauen.

Gefühl: produktiv. Gefahr: diesen Monat auslassen.

Monat 6 – Tragfähigkeit

Drei bis vier Abläufe laufen zuverlässig, die Zahlen sind belastbar, das System wird auch dann benutzt, wenn niemand daran erinnert.

Gefühl: normal – und das ist das Ziel.

Wusstest du schon?

Der Einbruch im zweiten Monat ist so verlässlich, dass er in die Planung gehört – nicht als Risiko, sondern als erwarteter Verlauf.

Wer ihn nicht ankündigt, erlebt ihn als Beleg dafür, dass die Entscheidung falsch war. Wer ihn ankündigt, erlebt ihn als Bestätigung, dass alles nach Plan läuft. Derselbe Monat, zwei völlig verschiedene Schlussfolgerungen – und die eine führt zum Abbruch, die andere zum vierten Monat.

Die drei Stellen, an denen es scheitert

StelleWannErkennungszeichenGegenmittel
Unbereinigte DatenMonat 1„Das räumen wir später auf"Abschaltdatum für die alte Quelle
Zu viele AbläufeMonat 3fünf gleichzeitig gestarteteiner pro Quartal
Kein ZuständigerMonat 5niemand macht die DurchsichtTermin im Kalender, mit Namen
Achtung Die dritte Stelle ist die leiseste. Ein System ohne Zuständigen fällt nicht aus – es veraltet. Nach einem Jahr zeigen Links ins Leere, Angebote gibt es nicht mehr, Ansprechpartner haben gewechselt. Der Schaden entsteht langsam und fällt erst auf, wenn sich ein Kunde wundert.

Was wann gemessen wird

  1. Ab Monat 1: Anteil der Anfragen mit dokumentiertem Erstkontakt und die Zeit bis dahin. Reagiert sofort.
  2. Ab Monat 3: Anzahl qualifizierter Anfragen und vergessene Nachfassungen. Reagiert innerhalb von Wochen.
  3. Ab Monat 6: Abschlussquote je Stufe. Vorher liegen zu wenige abgeschlossene Vorgänge vor.
  4. Ab Monat 12: Kosten pro gewonnenem Kunden. Bei längeren Zyklen entsprechend später.
Aus der Praxis

Der Monat, der über die nächsten zwei Jahre entscheidet, ist Monat fünf – die Durchsicht. Sie sieht nach Rückschritt aus, weil nichts Neues entsteht, und wird deshalb regelmäßig ausgelassen.

Dabei ist sie der Punkt, an dem aus einer Einrichtung ein System wird: Felder, die immer leer bleiben, kommen weg; Abläufe, die niemand nutzt, werden abgeschaltet; Nachrichten, die niemand öffnet, werden ersetzt. Wer diese zwei Stunden auslässt, betreibt zwei Jahre später ein System, in dem die Hälfte der Felder leer ist und niemand mehr weiß, warum es sie gibt.

Was nach sechs Monaten realistisch ist

RealistischNicht realistisch
3 bis 4 Abläufe laufen zuverlässigzehn Abläufe, alle gepflegt
Reaktionszeit deutlich verkürztdoppelt so viele Abschlüsse
Keine vergessenen Nachfassungen mehrvollständig automatischer Vertrieb
Belastbare Zuflusszahlenbelastbare Kosten pro Kunde
2 bis 6 Stunden Pflege im MonatSystem läuft ohne Pflege
Prompt
Hilf mir, die Einführung von Marketing-Automatisierung über sechs
Monate zu planen – realistisch, mit dem erwartbaren Einbruch.

Unsere Lage:
- Personen mit Kundenkontakt: [Anzahl]
- Anfragen pro Monat: [Anzahl]
- Typische Dauer bis zum Abschluss: [Angabe]
- Zustand unserer Kontaktdaten: [sauber / gewachsen / unklar]
- Wer wäre nach der Einrichtung zuständig: [Person oder
  "niemand"]
- Verfügbare Zeit pro Woche: [Stunden]

Aufgaben:
1. Entwirf einen Monatsplan für sechs Monate mit Aufgaben,
   Aufwand und dem, was in dem Monat jeweils zu erwarten ist –
   einschliesslich des Einbruchs im zweiten Monat.
2. Nenne, welchen Ablauf wir zuerst einrichten sollten, und
   begründe mit unserer Lage.
3. Lege fest, welche Kennzahl ab welchem Monat betrachtet wird –
   und welche wir bis dahin ausdrücklich nicht ansehen.
4. Falls niemand für die Zuständigkeit benannt ist: Sag deutlich,
   was das für den Erfolg bedeutet.
5. Formuliere für Monat 5 eine Durchsichts-Prüfliste.
6. Nenne, was nach sechs Monaten realistisch erreicht sein sollte
   und was nicht.

Empfiehl keine konkreten Produkte.

Fazit

Der Verlauf ist vorhersehbar, und das ist die nützlichste Information überhaupt: Monat eins ist zäh, Monat zwei fühlt sich nach Rückschritt an, ab Monat vier bewegt sich etwas.

Wer den Einbruch als Teil des Plans ankündigt, hält ihn aus. Und wer die Durchsicht in Monat fünf tatsächlich macht, hat nach zwei Jahren ein System statt einer Einrichtung.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Einführung von Marketing-Automatisierung?

Bis zu einem tragfähigen Zustand etwa sechs Monate: ein Monat Aufräumen, ein Monat mit spürbarer Verlangsamung, ein Monat Gewöhnung, ab dem vierten erste messbare Zeichen, im fünften die Durchsicht, im sechsten der Normalbetrieb mit drei bis vier laufenden Abläufen.

Warum dauert im zweiten Monat alles länger?

Weil jeder Handgriff neu ist und jeder Sonderfall zum ersten Mal geklärt werden muss. Das ist der Normalzustand, kein Zeichen für eine falsche Entscheidung – wer ihn vorher ankündigt, erlebt ihn als planmäßig; wer ihn nicht ankündigt, erlebt ihn als Beleg für einen Fehler und bricht ab.

Woran scheitern Einführungen?

An drei Stellen: unbereinigte Daten im ersten Monat, zu viele gleichzeitig gestartete Abläufe im dritten, und ein fehlender Zuständiger ab dem fünften. Die dritte ist die leiseste – ein System ohne Zuständigen fällt nicht aus, es veraltet, und der Schaden fällt erst auf, wenn sich ein Kunde wundert.

Wann sieht man die ersten Ergebnisse?

Ab dem vierten Monat, und zwar bei den Zuflusszahlen: mehr beantwortete Anfragen, kürzere Reaktionszeit, keine vergessenen Nachfassungen. Abschlussquoten werden frühestens ab dem sechsten Monat aussagefähig, Kosten pro gewonnenem Kunden ab dem zwölften – bei längeren Zyklen entsprechend später.

Was ist nach sechs Monaten realistisch?

Drei bis vier zuverlässig laufende Abläufe, eine deutlich verkürzte Reaktionszeit, keine vergessenen Nachfassungen und belastbare Zuflusszahlen – bei zwei bis sechs Stunden Pflege im Monat. Nicht realistisch sind zehn gepflegte Abläufe, doppelte Abschlusszahlen oder ein System, das ohne Pflege läuft.

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