Das Kontaktformular: Jedes Feld kostet Anfragen

Ein Kontaktformular ist die Stelle, an der die gesamte Vorarbeit entweder zu einer Anfrage wird oder verloren geht. Es ist gleichzeitig die Stelle, an der am häufigsten Felder hinzugefügt und am seltensten welche gestrichen werden.

Ein Teilchenstrom passiert fünf sich verengende Öffnungen und wird bei jeder sichtbar dünner

Das Wichtigste in Kürze

  • Vier Felder reichen fast immer: Name, Firma, E-Mail, Anliegen. Alles Weitere muss sich rechtfertigen.
  • Felder, die als Bewertung wahrgenommen werden – Umsatz, Mitarbeiterzahl, Budget – kosten überproportional viel.
  • Zehn technische Punkte verursachen Abbrüche, ohne dass sie in der Auswertung auffallen.
  • Was nach dem Absenden passiert, entscheidet mit: Eine Bestätigungsseite ohne nächsten Schritt verschenkt den Moment der höchsten Aufmerksamkeit.

Welche Felder bleiben

FeldBleiben?Begründung
Namejafür die Ansprache, ein Feld statt zwei
Firmajaermöglicht Vorbereitung und grobe Einordnung
E-Mailjader Rückweg
Anliegen (Freitext)jadas wertvollste Feld überhaupt
Telefonoptionalals Pflichtfeld ein spürbarer Verlust
Position/Rollenur bei Lead Scoringsonst im Gespräch klärbar
Mitarbeiterzahlneinwird als Vorauswahl empfunden
Budgetneinder teuerste Abbruchgrund
„Wie sind Sie auf uns gekommen?"optional, freiwilligbeste Quelle für Zuordnung

Wusstest du schon?

Das Freitextfeld ist das wertvollste Feld im ganzen Formular – und wird am häufigsten gekürzt oder weggelassen, weil es sich schlecht auswerten lässt.

Es liefert die Formulierung, mit der jemand sein Problem beschreibt, bevor er euren Fachbegriff kennt. Genau diese Formulierungen braucht ihr für Beiträge, Landingpages und Suchbegriffe. Und es liefert die Grundlage für ein Gespräch, das nicht bei null anfängt. Ein Auswahlfeld mit fünf Kategorien ersetzt das nicht – es ersetzt es durch eure eigenen Worte.

Warum manche Felder überproportional kosten

Nicht jedes Feld kostet gleich viel. Drei Arten sind besonders teuer:

Felder, die als Bewertung wahrgenommen werden. Umsatz, Mitarbeiterzahl, Budget. Der Besucher versteht sie als Vorauswahl und rechnet damit, aussortiert zu werden – also bricht er ab, bevor das passieren kann.

Felder, die man nachschlagen muss. Kundennummer, genaue Bezeichnung, Vertragsnummer. Wer das Formular verlässt, um etwas zu suchen, kommt oft nicht zurück.

Felder, deren Zweck nicht erkennbar ist. Wenn nicht klar ist, wofür eine Angabe gebraucht wird, wirkt sie wie Datensammeln. Ein Halbsatz zur Begründung neben dem Feld nimmt das weg.

Zehn technische Punkte, die Abbrüche verursachen

  1. Kein verknüpftes label. Platzhaltertext verschwindet beim Tippen und wird nicht überall vorgelesen.
  2. Falsche Tastatur auf dem Telefon. type="email" und type="tel" setzen, sonst tippt man Adressen auf einer Buchstabentastatur.
  3. Automatisches Ausfüllen verhindert. autocomplete-Angaben setzen – sie sparen dem Nutzer die halbe Eingabe.
  4. Fehler erst nach dem Absenden. Prüfung direkt am Feld, sobald es verlassen wird.
  5. Fehlermeldung nur als Farbe. Der Fehler muss als Text danebenstehen und sagen, was zu tun ist.
  6. Eingaben gehen bei Fehler verloren. Der schwerste Fehler – danach füllt fast niemand erneut aus.
  7. Zu strenge Prüfregeln. Telefonnummern mit Leerzeichen, Umlaute in Namen, Adressen mit Sonderzeichen müssen durchgehen.
  8. Kein sichtbarer Fokus. Wer mit der Tastatur ausfüllt, weiß sonst nicht, wo er ist.
  9. Kein Rückmeldung beim Absenden. Ohne sichtbare Reaktion wird mehrfach geklickt – oder abgebrochen.
  10. Bilderrätsel zur Botprüfung. Kostet echte Anfragen. Ein verstecktes Feld, das nur Bots ausfüllen, hält den größten Teil der automatisierten Einsendungen ab.
Achtung Punkt 6 wird in der Auswertung nie sichtbar: Ein Abbruch nach einem Validierungsfehler sieht aus wie jeder andere Abbruch. Deshalb lohnt es sich, das Formular einmal absichtlich falsch auszufüllen und zu prüfen, ob die Eingaben erhalten bleiben.

Was nach dem Absenden passiert

Der Moment nach dem Absenden ist der mit der höchsten Aufmerksamkeit im ganzen Ablauf – und wird meistens mit „Vielen Dank für Ihre Nachricht" verschenkt.

Drei Dinge gehören auf die Bestätigungsseite:

  • Was als Nächstes passiert, mit Zeitangabe. „Wir melden uns innerhalb eines Werktags." Das beendet das Weitersuchen.
  • Ein sinnvoller nächster Schritt. Ein passender Beitrag, eine Vorlage, ein Terminlink – nicht die Startseite.
  • Ein Hinweis auf die Bestätigungsmail, inklusive der Bitte, im Spam-Ordner nachzusehen.
Aus der Praxis

Die einfachste Prüfung des eigenen Formulars: Füllt es selbst auf einem Telefon aus, mit einer Hand, unterwegs. Nicht auf dem Rechner mit Maus und großem Bildschirm.

Was dabei fast immer auffällt: eine falsche Tastatur bei mindestens einem Feld, ein Auswahlfeld, das sich schlecht bedienen lässt, und eine Datenschutz-Zustimmung mit einer Schaltfläche, die zu klein zum Treffen ist. Alle drei kosten Anfragen, und alle drei sind in einer Stunde behoben – aber nur, wenn man sie überhaupt bemerkt.

Der rechtliche Mindestrahmen

  • Nur Pflichtfelder, die tatsächlich nötig sind – das folgt aus dem Grundsatz der Datenminimierung.
  • Ein Hinweis auf die Datenschutzerklärung beim Formular, verlinkt.
  • Getrennte Zustimmung für getrennte Zwecke. Wer die Adresse zusätzlich für einen Newsletter nutzen will, braucht dafür ein eigenes, nicht vorangekreuztes Feld.
  • Löschfrist festlegen. Anfragen, aus denen nichts wird, dürfen nicht unbegrenzt liegen bleiben.
Prompt
Prüfe mein Kontaktformular. Sei streng; lobe nichts.

Felder heute (mit Angabe Pflicht/optional):
[Liste einfügen]

Weitere Angaben:
- Was nach dem Absenden angezeigt wird: [Text]
- Ob eine Bestätigungsmail kommt: [ja / nein]
- Zeit bis zum Erstkontakt: [Angabe]
- Nutzen wir Lead Scoring? [ja / nein]
- Anfragen pro Monat: [Anzahl]

Aufgaben:
1. Nenne für jedes Feld, ob es bleiben, optional werden oder
   wegfallen sollte. Begründe jedes einzeln – besonders bei
   Feldern, die als Bewertung wahrgenommen werden könnten.
2. Prüfe, ob wir ein Freitextfeld für das Anliegen haben. Falls
   nicht oder falls es durch Auswahlfelder ersetzt wurde, erkläre,
   was uns dadurch verloren geht.
3. Formuliere den Text für die Bestätigungsseite: was als
   Nächstes passiert mit Zeitangabe, ein sinnvoller nächster
   Schritt, Hinweis auf die Bestätigungsmail.
4. Nenne die technischen Punkte, die ich am Formular selbst
   prüfen muss – als abhakbare Liste.
5. Nenne die datenschutzrechtlichen Mindestanforderungen für
   unser Formular.

Erfinde keine Abbruchquoten.

Fazit

Vier Felder, ein Freitextfeld darunter, keine Angabe, die wie eine Vorauswahl wirkt. Das ist der ganze inhaltliche Teil – und er ist in zwanzig Minuten umgesetzt.

Der Rest ist Handwerk: richtige Tastatur, erhaltene Eingaben bei Fehlern, verständliche Fehlermeldungen. Und eine Bestätigungsseite, die den Moment der höchsten Aufmerksamkeit nutzt, statt sich nur zu bedanken.

Häufige Fragen

Wie viele Felder sollte ein Kontaktformular haben?

Vier reichen fast immer: Name, Firma, E-Mail und ein Freitextfeld für das Anliegen. Jedes weitere Pflichtfeld muss sich rechtfertigen – besonders Angaben wie Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Budget, die als Vorauswahl empfunden werden und überproportional viele Abbrüche verursachen.

Warum ist das Freitextfeld so wichtig?

Weil es die Formulierung liefert, mit der jemand sein Problem beschreibt, bevor er den Fachbegriff kennt. Diese Formulierungen sind die Grundlage für Beiträge, Landingpages und Suchbegriffe – und sie ermöglichen ein Erstgespräch, das nicht bei null anfängt. Auswahlfelder ersetzen sie durch die eigenen Worte des Anbieters.

Welche technischen Fehler kosten am meisten Anfragen?

Am schwersten wiegt der Verlust der Eingaben nach einem Validierungsfehler – danach füllt fast niemand erneut aus, und in der Auswertung sieht das aus wie ein gewöhnlicher Abbruch. Ebenfalls teuer: falsche Tastatur auf dem Telefon, blockiertes automatisches Ausfüllen und Bilderrätsel zur Botprüfung.

Was gehört auf die Bestätigungsseite?

Drei Dinge: was als Nächstes passiert mit einer konkreten Zeitangabe, ein sinnvoller nächster Schritt wie ein passender Beitrag oder Terminlink, und ein Hinweis auf die Bestätigungsmail samt Bitte, im Spam-Ordner nachzusehen. Ein bloßes „Vielen Dank" verschenkt den Moment der höchsten Aufmerksamkeit.

Was ist beim Datenschutz zu beachten?

Nur die Pflichtfelder erheben, die tatsächlich nötig sind; einen verlinkten Hinweis auf die Datenschutzerklärung beim Formular; für zusätzliche Zwecke wie einen Newsletter ein eigenes, nicht vorangekreuztes Feld; und eine festgelegte Löschfrist für Anfragen, aus denen nichts wird.

Marketing, das sich selbst aufsetzt

Die Studio Engine ist in der Beta. Jetzt Platz sichern und von Anfang an mitgestalten.

An Beta teilnehmen →
← Zurück zur Übersicht