Die Willkommensstrecke: Fünf E-Mails, die aus Kontakten Kunden machen

Die meisten Willkommensstrecken bestehen aus fünf Varianten derselben Nachricht: Wir sind toll, hier ist unser Angebot. Eine Strecke, die trägt, hat fünf verschiedene Zwecke – und in vieren davon kommt das eigene Angebot nicht vor.

Fünf leuchtende Formen entlang einer sanft ansteigenden Kurve, jede heller als die vorige

Das Wichtigste in Kürze

  • Die erste Nachricht muss innerhalb weniger Minuten kommen – sie ist die einzige, die fast sicher geöffnet wird.
  • Jede der fünf Nachrichten hat genau einen Zweck. In vieren kommt das eigene Angebot nicht vor.
  • Die Abstände wachsen: sofort, Tag 2, Tag 5, Tag 10, Tag 18. Gleichmäßige Abstände wirken maschinell.
  • Gemessen wird nicht die Öffnungsrate, sondern der Anteil der Kontakte, die nach der Strecke noch aktiv sind.

Eine Willkommensstrecke ist der einzige Zeitpunkt, an dem euch jemand freiwillig Aufmerksamkeit gibt – weil er gerade etwas von euch wollte. Diese Aufmerksamkeit hält etwa drei Wochen. Danach seid ihr eine E-Mail unter vielen.

Die fünf Nachrichten

1 – Sofort: Liefern und einordnen

Zweck: Das Versprochene liefern und sagen, was als Nächstes kommt.

Inhalt: Der Link zum angeforderten Inhalt, ein Satz dazu, wie er am besten genutzt wird, und ein Satz darüber, was in den nächsten Wochen von euch kommt – und wie oft.

Kein Angebot. Wer hier verkauft, verbrennt den einzigen sicheren Kontakt.

Wird fast immer geöffnet

2 – Tag 2: Den häufigsten Fehler benennen

Zweck: Fachlichkeit zeigen, ohne über sich zu reden.

Inhalt: Der Fehler, den ihr in eurem Feld am häufigsten seht, warum er passiert, was stattdessen hilft. Drei Absätze.

Kein Angebot. Der Nutzen muss ohne Gegenleistung funktionieren.

Entscheidet, ob weiter geöffnet wird

3 – Tag 5: Ein konkreter Fall

Zweck: Zeigen, dass es funktioniert – an einem Beispiel, nicht an einer Behauptung.

Inhalt: Ausgangslage, was getan wurde, was dabei herauskam, mit einer Zahl. Anonymisiert, wenn nötig.

Angebot höchstens als Nebensatz am Ende.

Die meistgelesene der fünf

4 – Tag 10: Den Einwand vorwegnehmen

Zweck: Den Zweifel ansprechen, den ihr aus Gesprächen kennt – bevor er zum stillen Abbruch führt.

Inhalt: Der Einwand in den Worten der Zielgruppe, eine ehrliche Antwort einschließlich dessen, wo er berechtigt ist.

Kein Angebot. Ehrlichkeit wirkt nur ohne Verkaufsabschluss.

Die unterschätzteste der fünf

5 – Tag 18: Der Vorschlag

Zweck: Einen konkreten nächsten Schritt anbieten.

Inhalt: Ein Angebot mit klarem Ablauf: Was passiert, wie lange dauert es, was kostet es oder wie ergibt sich das. Ein Link, kein zweiter.

Hier gehört das Angebot hin – und nur hier.

Die einzige mit Verkaufsabsicht

Wusstest du schon?

Die Abstände zwischen den Nachrichten sollten wachsen, nicht gleich bleiben. Fünf Nachrichten im Abstand von genau drei Tagen wirken maschinell – wachsende Abstände wirken wie eine nachlassende, aber vorhandene Aufmerksamkeit.

Der zweite Grund ist praktischer: Der Abstand zwischen Nachricht vier und fünf gibt der vierten Zeit zu wirken. Wer den Einwand am Tag 10 anspricht und am Tag 12 verkauft, hat den Einwand als Verkaufsvorbereitung benutzt – und das merkt man.

Was in keiner der fünf stehen darf

Achtung Diese vier Elemente senken die Wirkung zuverlässig – und sind in fast jeder Strecke zu finden, die nicht funktioniert.

Mehr als ein Link pro Nachricht. Zwei gleichwertige Links halbieren beide. Wenn ein zweiter Link nötig scheint, gehört er in eine eigene Nachricht.

Ein Bildkopf mit Logo. Sieht nach Newsletter aus und wird entsprechend behandelt. Eine Willkommensstrecke wirkt besser als reiner Text, der aussieht wie eine persönliche Nachricht – weil sie eine sein sollte.

Künstliche Dringlichkeit. „Nur noch heute" in einer automatisierten Strecke ist erkennbar unwahr, weil jeder Empfänger sie zu einem anderen Zeitpunkt bekommt.

Eine Absenderadresse ohne Antwortmöglichkeit. Wer nicht antworten kann, kann auch nicht Kunde werden. Die Antworten auf eine Willkommensstrecke sind oft die besten Anfragen des Monats.

Woran man erkennt, dass sie wirkt

Nicht an der Öffnungsrate – die misst seit dem automatischen Vorabladen von Bildern zu einem erheblichen Teil Technik. Drei bessere Größen:

KennzahlWas sie zeigtGuter Wert
Klicks auf den Link in Nachricht 3Ob der Fall überzeugtsteigend über Quartale
Antworten auf Nachricht 2 oder 4Ob ein Gespräch entstehtjede Antwort zählt
Abmeldungen bis Nachricht 5Ob die Erwartung stimmteunter 5 Prozent
Noch aktiv nach 60 TagenDie eigentliche Zielgrößerelativ zum Vorquartal
Aus der Praxis

Der aussagekräftigste Wert der ganzen Strecke sind die Antworten auf Nachricht zwei und vier – also auf die beiden, in denen nichts verkauft wird.

Wer auf eine Nachricht antwortet, in der kein Angebot stand, hat ein echtes Anliegen. Diese Antworten sind erfahrungsgemäß die am besten qualifizierten Anfragen überhaupt – besser als jedes ausgefüllte Formular. Deshalb ist die Absenderadresse mit echter Antwortmöglichkeit keine Höflichkeit, sondern der wertvollste Teil der Strecke.

Was rechtlich gilt

  • Eine Grundlage muss vorliegen – Einwilligung oder eine bestehende Kundenbeziehung mit vergleichbaren eigenen Produkten. In der Schweiz regelt das nicht das Datenschutzgesetz, sondern das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.
  • Bei EU-Empfängern gilt zusätzlich die DSGVO mit strengeren Anforderungen an die nachweisbare Einwilligung.
  • Abmeldung in jeder Nachricht, kostenlos, ohne Anmeldung, mit einem Klick wirksam.
  • Korrekte Absenderangabe mit tatsächlich erreichbarer Adresse.
Prompt
Hilf mir, eine Willkommensstrecke aus fünf E-Mails zu entwerfen.

Unsere Lage:
- Was wir anbieten: [Angebot]
- Zielgruppe: [so eng wie möglich]
- Wodurch Kontakte in die Strecke kommen: [Leadmagnet, Formular,
  Anfrage]
- Der Fehler, den wir in unserem Feld am häufigsten sehen:
  [Beschreibung]
- Ein konkreter Fall aus unserer Arbeit, mit Zahl:
  [Ausgangslage, Massnahme, Ergebnis]
- Der Einwand, den wir in Gesprächen am häufigsten hören:
  [Einwand]

Aufgaben:
1. Entwirf die fünf Nachrichten mit den Zwecken: liefern und
   einordnen (sofort), häufigster Fehler (Tag 2), konkreter Fall
   (Tag 5), Einwand vorwegnehmen (Tag 10), Vorschlag (Tag 18).
2. Regeln: höchstens ein Link je Nachricht, in Nachricht 1, 2
   und 4 kein Angebot, reiner Text ohne Bildkopf, keine
   künstliche Dringlichkeit, höchstens 200 Wörter je Nachricht.
3. Formuliere je Nachricht drei Betreffvarianten, die das
   Ergebnis benennen und nicht neugierig machen wollen.
4. Verwende ausschliesslich die Angaben oben – keine erfundenen
   Zahlen, keine erfundenen Kundenstimmen.
5. Nenne am Ende, was ich messen sollte, um zu sehen, ob die
   Strecke wirkt.

Fazit

Fünf Zwecke statt fünf Varianten derselben Nachricht – das ist der ganze Unterschied. Vier davon geben etwas, ohne zu verlangen, und die fünfte macht einen konkreten Vorschlag.

Der wertvollste Teil ist dabei der unscheinbarste: eine Absenderadresse, auf die geantwortet werden kann. Die Antworten auf die Nachrichten ohne Angebot sind regelmäßig die besten Anfragen, die eine Strecke hervorbringt.

Häufige Fragen

Wie viele E-Mails gehören in eine Willkommensstrecke?

Fünf, mit jeweils genau einem Zweck: liefern und einordnen, den häufigsten Fehler benennen, einen konkreten Fall zeigen, den häufigsten Einwand vorwegnehmen, und einen konkreten Vorschlag machen. In den ersten vier kommt das eigene Angebot nicht vor.

In welchen Abständen sollten die Nachrichten kommen?

Mit wachsendem Abstand: sofort, Tag 2, Tag 5, Tag 10, Tag 18. Gleichmäßige Abstände wirken maschinell. Der grössere Abstand vor der letzten Nachricht gibt außerdem der Einwandbehandlung Zeit zu wirken – wer den Einwand am Tag 10 anspricht und am Tag 12 verkauft, hat ihn erkennbar als Verkaufsvorbereitung benutzt.

Wie schnell muss die erste E-Mail kommen?

Innerhalb weniger Minuten. Sie ist die einzige Nachricht, die fast sicher geöffnet wird, weil der Empfänger gerade etwas von euch wollte. Alles, was später kommt, trifft auf jemanden, der schon weitergegangen ist.

Woran misst man den Erfolg einer Willkommensstrecke?

Nicht an der Öffnungsrate, die durch automatisches Vorabladen von Bildern verzerrt ist. Aussagekräftiger sind: Klicks auf den Link in Nachricht drei, Antworten auf die Nachrichten ohne Angebot, Abmeldungen bis zum Ende der Strecke, und der Anteil der Kontakte, die nach 60 Tagen noch aktiv sind.

Was gehört auf keinen Fall in eine Willkommensstrecke?

Mehr als ein Link je Nachricht, ein Bildkopf mit Logo, künstliche Dringlichkeit wie „nur noch heute" – bei einer automatisierten Strecke erkennbar unwahr – und eine Absenderadresse ohne Antwortmöglichkeit. Gerade die Antworten sind oft die besten Anfragen des Monats.

Marketing, das sich selbst aufsetzt

Die Studio Engine ist in der Beta. Jetzt Platz sichern und von Anfang an mitgestalten.

An Beta teilnehmen →
← Zurück zur Übersicht