Kundenreferenzen gewinnen: Der Zeitpunkt entscheidet

Die meisten Referenzanfragen scheitern nicht an der Bereitschaft, sondern am Zeitpunkt und am Aufwand. Wer im richtigen Moment fragt und den Text selbst schreibt, bekommt in der Regel eine Zusage.

Entlang einer Kurve steigen und fallen Formen in ihrer Helligkeit, genau eine steht gerade im Höhepunkt

Das Wichtigste in Kürze

  • Der beste Zeitpunkt ist unmittelbar nach einem sichtbaren Erfolg – nicht am Projektende und nicht auf Zuruf.
  • Der Aufwand für den Kunden entscheidet: Wer einen fertigen Entwurf zur Freigabe bekommt, sagt fast immer zu.
  • Vier Fragen ergeben eine brauchbare Referenz – die erste und die vierte sind die wichtigsten.
  • Vor der Veröffentlichung braucht es eine schriftliche Freigabe, die Text, Name, Funktion und Verwendungszweck umfasst.

Der Zeitpunkt

Die Bereitschaft, eine Referenz zu geben, ist keine feste Eigenschaft eines Kunden – sie schwankt stark und ist genau dann am höchsten, wenn etwas sichtbar funktioniert hat.

ZeitpunktBereitschaftWarum
Unmittelbar nach einem sichtbaren Erfolgsehr hochdas Ergebnis ist frisch und benennbar
Nach einem gelösten ProblemhochErleichterung, konkrete Geschichte
Bei einer VertragsverlängerunghochEntscheidung wurde gerade bestätigt
Am ProjektendemittelAufmerksamkeit liegt schon woanders
Nach einer Beschwerde, gut gelöstmittel bis hochoft unterschätzt – die stärksten Geschichten
Auf Zuruf, ohne AnlassgeringAufwand ohne erkennbaren Grund

Wusstest du schon?

Die vorletzte Zeile wird fast nie genutzt und ist eine der ergiebigsten. Ein Kunde, bei dem etwas schiefging und der gut betreut wurde, hat eine Geschichte mit Spannungsbogen – und die überzeugt mehr als eine, in der von Anfang an alles glattlief.

Eine Referenz, die einen Fehler und dessen Behebung enthält, wirkt außerdem glaubwürdiger als reines Lob. Genau deshalb ist der Moment nach einer gut gelösten Beschwerde ein guter Zeitpunkt zu fragen – auch wenn er sich falsch anfühlt.

Die Hürde senken

Der häufigste Grund für ein Nein ist nicht Unzufriedenheit, sondern Aufwand. „Könnten Sie uns ein paar Zeilen schreiben?" bedeutet für den Kunden: einen Text formulieren, intern abstimmen, freigeben lassen. Das dauert und wird verschoben.

Drei Stufen, von der niedrigsten Hürde aufwärts:

  1. Ihr schreibt, der Kunde gibt frei. Aus dem Projektverlauf einen Entwurf formulieren, zur Änderung und Freigabe schicken. Aufwand für den Kunden: fünf Minuten. Die mit Abstand höchste Zusagequote.
  2. Vier Fragen im Gespräch. Fünfzehn Minuten Telefonat, ihr macht daraus den Text. Ergibt mehr Substanz als Stufe eins.
  3. Der Kunde schreibt selbst. Nur sinnvoll, wenn er es ausdrücklich anbietet – sonst dauert es Wochen und wird allgemein.

Die vier Fragen

1. Was war die Lage, bevor wir angefangen haben?

Die wichtigste Frage. Ohne Ausgangslage ist jedes Ergebnis bedeutungslos – „30 Prozent mehr Anfragen" sagt nichts, wenn niemand weiß, wovon.

2. Was hat den Ausschlag gegeben, es anzugehen?

Liefert den Auslöser – und damit genau die Information, die andere in derselben Lage wiedererkennen.

3. Was war anders, als Sie erwartet hatten?

Die Frage, die eine Referenz von einem Werbetext unterscheidet. Die Antwort ist oft eine kleine Einschränkung – und genau die macht den Rest glaubwürdig.

4. Was ist heute konkret anders?

Nach Möglichkeit mit einer Zahl oder einem messbaren Zustand. „Wir bekommen jetzt jede Anfrage innerhalb eines Tages beantwortet" ist konkret; „alles läuft besser" ist es nicht.

Tipp Frage drei wird gern weggelassen, weil sie eine Schwäche zutage fördern könnte. Genau deshalb gehört sie hinein: Eine Referenz, die eine kleine Einschränkung enthält, wird gelesen und geglaubt – eine ohne wird überflogen.
Aus der Praxis

Was eine Referenz brauchbar macht, ist die Wiedererkennbarkeit der Ausgangslage – nicht die Höhe des Ergebnisses. Wer liest „Handwerksbetrieb mit 18 Personen, Anfragen kamen per Telefon und blieben in Notizzetteln hängen", erkennt sich wieder oder eben nicht.

Deshalb sind drei Referenzen aus drei klar unterschiedlichen Ausgangslagen wertvoller als zehn ähnliche. Und drei mit Name, Firma und Funktion wiegen mehr als zwanzig anonyme Zitate.

Was vorher geklärt sein muss

  • Schriftliche Freigabe des konkreten Textes, nicht nur eine mündliche Zustimmung. Eine E-Mail genügt.
  • Name, Funktion und Firma ausdrücklich eingeschlossen. Wer nur dem Text zustimmt, hat der Namensnennung nicht zugestimmt.
  • Verwendungszweck benennen: Website, Angebotsunterlagen, soziale Netzwerke, Messematerial – was nicht genannt ist, ist nicht freigegeben.
  • Bei Bildern eine eigene Einwilligung. Ein Porträt ist personenbezogen und braucht eine gesonderte Zustimmung.
  • Widerruf ermöglichen und dann auch umsetzen – Referenzen von Personen, die das Unternehmen verlassen haben, gehören überprüft.
Prompt
Hilf mir, aus unseren Projektnotizen einen Referenzentwurf zu
formulieren, den der Kunde nur noch freigeben muss.

Angaben aus dem Projekt:
- Kunde: [Branche, Grösse, Rolle der Ansprechperson]
- Lage vor dem Projekt: [Beschreibung]
- Was den Ausschlag gegeben hat: [Auslöser]
- Was wir gemacht haben: [Massnahmen]
- Was heute anders ist, möglichst mit Zahl: [Ergebnis]
- Was anders lief als erwartet, auch Unangenehmes: [Angabe]

Aufgaben:
1. Formuliere einen Referenztext von 80 bis 120 Wörtern in der
   Sprache des Kunden, nicht in unserer Marketingsprache.
2. Baue die Ausgangslage so ein, dass sich jemand in derselben
   Lage wiedererkennt.
3. Nimm die Einschränkung aus meiner letzten Angabe mit hinein –
   sie macht den Rest glaubwürdig. Wenn ich nichts angegeben
   habe, sag mir, dass ich danach fragen sollte.
4. Verwende ausschliesslich Angaben von oben. Erfinde keine
   Zahlen und keine Formulierungen des Kunden.
5. Formuliere dazu eine kurze Freigabemail an den Kunden, die
   Text, Namensnennung, Funktion und Verwendungszwecke
   ausdrücklich abfragt.

Fazit

Referenzen scheitern am Zeitpunkt und am Aufwand, nicht an der Bereitschaft. Wer unmittelbar nach einem sichtbaren Erfolg fragt und einen fertigen Entwurf zur Freigabe mitschickt, bekommt in der Regel eine Zusage.

Und die brauchbaren Referenzen sind die mit erkennbarer Ausgangslage, einer Zahl und einer kleinen Einschränkung – drei davon aus unterschiedlichen Lagen wirken mehr als zehn gleichförmige Lobtexte.

Häufige Fragen

Wann sollte man nach einer Kundenreferenz fragen?

Unmittelbar nach einem sichtbaren Erfolg, nach einem gelösten Problem oder bei einer Vertragsverlängerung. Am Projektende ist die Aufmerksamkeit meist schon woanders. Unterschätzt wird der Moment nach einer gut gelösten Beschwerde – er liefert die glaubwürdigsten Geschichten.

Wie erhöht man die Zusagequote?

Indem man den Aufwand für den Kunden minimiert: einen fertigen Entwurf aus dem Projektverlauf schreiben und ihn zur Änderung und Freigabe schicken. Fünf Minuten Aufwand statt einer Schreibaufgabe – das ist der größte Unterschied zwischen Zusage und Vertagung.

Welche Fragen ergeben eine gute Referenz?

Vier: Wie war die Lage vorher? Was hat den Ausschlag gegeben, es anzugehen? Was war anders als erwartet? Und was ist heute konkret anders, möglichst mit einer Zahl? Die dritte Frage unterscheidet eine Referenz von einem Werbetext.

Was macht eine Referenz überzeugend?

Die Wiedererkennbarkeit der Ausgangslage, nicht die Höhe des Ergebnisses. Wer sich in der beschriebenen Situation wiedererkennt, liest weiter. Deshalb sind drei Referenzen aus drei deutlich unterschiedlichen Ausgangslagen wertvoller als zehn ähnliche – und Name, Firma und Funktion wiegen mehr als zwanzig anonyme Zitate.

Was muss rechtlich geklärt sein?

Eine schriftliche Freigabe des konkreten Textes, die Namensnennung, Funktion und Firma ausdrücklich einschließt, sowie die Benennung der Verwendungszwecke – was nicht genannt ist, ist nicht freigegeben. Für Porträtbilder braucht es eine gesonderte Einwilligung, und ein Widerruf muss möglich sein und dann auch umgesetzt werden.

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