25 Prompts für Marketing-Aufgaben, die tatsächlich funktionieren

Prompt-Sammlungen scheitern meist daran, dass sie fertige Texte liefern statt eines Bauprinzips. Hier steht bei jedem dabei, warum er so aussieht – damit ihr die 26. Aufgabe selbst formulieren könnt.

Eine Reihe schlanker, fein gearbeiteter leuchtender Formen unterschiedlicher Länge schwebt in der Tiefe

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder brauchbare Prompt besteht aus vier Bausteinen: Ausgangslage, Aufgabe, Regeln, Ausgabeform.
  • Der wirksamste einzelne Zusatz ist ein Erfindungsverbot – die Anweisung, Unbekanntes als solches zu kennzeichnen statt es plausibel zu ergänzen.
  • Prompts, die kritisieren sollen, brauchen die ausdrückliche Anweisung, nicht zu loben. Sonst bekommt man Zustimmung statt Prüfung.
  • Lange Prompts sind kein Problem – schlecht sortierte schon. Das Wichtigste gehört an den Anfang und ans Ende.

Das Bauprinzip

Bevor die Sammlung kommt, das Muster dahinter. Vier Bausteine, immer in dieser Reihenfolge:

1. Ausgangslage

Wer ihr seid, für wen ihr arbeitet, welche Zahlen und Umstände gelten. Ohne diesen Teil produziert jedes Modell den Durchschnitt aller Unternehmen – und der ist für niemanden brauchbar.

2. Aufgabe

Nummeriert, eine Handlung je Punkt. Fünf nummerierte Aufgaben werden zuverlässiger abgearbeitet als derselbe Inhalt als Fließtext.

3. Regeln

Was nicht passieren soll. Hier steht das Erfindungsverbot, hier steht der Stilrahmen, hier steht, was ausgelassen bleibt.

4. Ausgabeform

Tabelle, Liste, Fließtext, Länge. Ohne Angabe kommt Fließtext in mittlerer Länge – selten das, was gebraucht wird.

Wusstest du schon?

Angaben in der Mitte eines langen Prompts werden weniger zuverlässig berücksichtigt als solche am Anfang oder am Ende. Der Effekt ist gut dokumentiert und betrifft alle gängigen Modelle.

Praktische Folge: Die wichtigste Anweisung gehört an den Schluss, nicht in die Mitte einer Aufzählung. Und wenn ein Prompt sehr lang wird, lohnt es sich, die zentrale Regel am Ende zu wiederholen – das wirkt mehr als jede Umformulierung.

Recherche und Planung

1. Suchbegriffe bündeln

Rohliste einfügen, nach Absicht sortieren lassen, Varianten derselben Frage zu Bündeln zusammenfassen. Warum so: Das Sortieren ist die Stärke; das Erfinden von Suchvolumen ist die Schwäche – deshalb gehört ein Verbot dazu.

2. Zielgruppe schärfen

Beschreibung einfügen, zehn Rückfragen stellen lassen, die sie enger machen. Warum so: Rückfragen liefern mehr als eine überarbeitete Fassung – ihr behaltet die Entscheidung.

3. Einwände sammeln

Angebot beschreiben, die zwölf häufigsten Einwände in der Sprache der Zielgruppe formulieren lassen. Warum so: Diese Liste ist die Gliederung für Landingpage und Fragenabschnitt.

4. Wettbewerbslücken finden

Inhaltsverzeichnisse von drei Wettbewerbern einfügen, Fragen benennen lassen, die keiner beantwortet. Warum so: Vergleichen ist Stärke, Bewerten wäre Raten.

5. Themen aus Kundenfragen

Zwanzig echte Kundenfragen einfügen, zu Themen bündeln lassen, je Bündel eine Überschrift, die das Ergebnis benennt. Warum so: Ihr liefert die Substanz, das Modell die Struktur.

6. Quartalsplan aufstellen

Themenliste und Kapazität angeben, nach Nähe zur Kaufentscheidung sortieren lassen. Warum so: Sortieren nach einem genannten Kriterium ist zuverlässig, Priorisieren „nach Bauchgefühl" nicht.

Texten und Überarbeiten

Die Prompts 7 bis 14 folgen alle demselben Grundsatz: Das Modell bekommt eure Substanz und einen engen Rahmen, nicht eine offene Aufgabe.

Nr.AufgabeDer entscheidende Zusatz
7Rohfassung aus Stichpunkten„Verwende keine Zahl, die nicht oben steht"
8Text um 30 Prozent kürzen„Keine Aussage streichen, nur Wörter"
9Fachtext für Laien„Ohne zu vereinfachen – wo es kompliziert ist, sag warum"
10Fünf Titelvarianten„Benenne das Ergebnis, nicht das Thema"
11Fragenabschnitt erzeugen„Jede Antwort ohne den übrigen Text verständlich"
12Kurzzusammenfassung oben„Vier Punkte, jeder eine vollständige Aussage"
13Übersetzung mit Anpassung„Beträge, Rechtslage und Beispiele ans Land anpassen"
14Text in Markenstimme bringenStildokument mitgeben, nicht beschreiben
Tipp Prompt 14 funktioniert nur mit einem Stildokument. „Schreibe in unserer Markenstimme" ohne Beispiele ergibt Durchschnitt. Zwei Seiten mit Beispielen für richtig und falsch, mit verbotenen Wörtern und typischen Satzlängen, sind der Unterschied zwischen austauschbar und wiedererkennbar.

Prüfen und Kritisieren

Die nützlichste Gruppe – und die, bei der die Formulierung am meisten ausmacht.

Prompt 15 – Substanzprüfung
Prüfe den folgenden Entwurf. Sei streng; lobe nichts.

Entwurf:
[Text einfügen]

Aufgaben:
1. Markiere jeden Satz, der auch auf der Website eines beliebigen
   Wettbewerbers stehen könnte. Nenne den Prozentsatz.
2. Liste jede überprüfbare Behauptung auf und kennzeichne, ob ich
   sie selbst prüfen muss. Erfinde keine Quellen.
3. Nenne die Stellen, an denen eigene Erfahrung oder eigene Zahlen
   fehlen – und stelle mir je Stelle eine konkrete Frage, deren
   Antwort die Lücke füllt.

Schreibe den Text nicht um. Ich will die Lücken sehen.

Die Prompts 16 bis 20 folgen demselben Muster für andere Prüfungen: Zitierfähigkeit für Antwortmaschinen (16), Verständlichkeit für Laien (17), Einwandabdeckung einer Landingpage (18), Übereinstimmung von strukturierten Daten und sichtbarem Inhalt (19), Vollständigkeit einer Datenschutzerklärung gegen die Liste eingesetzter Dienste (20).

Aus der Praxis

Der Satz „Sei streng; lobe nichts" ist kein Stilmittel, sondern die funktional wichtigste Zeile in jedem Prüf-Prompt. Ohne ihn beginnt fast jede Antwort mit einer Würdigung des Guten – und die verwässert die Kritik, weil sie den Eindruck erzeugt, es sei im Wesentlichen in Ordnung.

Zweitwichtigste Zeile: „Schreibe den Text nicht um." Wer eine überarbeitete Fassung bekommt, sieht nicht mehr, was daran falsch war – und lernt nichts für den nächsten Text.

Vertrieb und Nachfassen

21. Gesprächsvorbereitung

Kontakthistorie einfügen, drei offene Punkte und zwei wahrscheinliche Einwände benennen lassen. Warum so: Zusammenfassen aus vorliegendem Material ist zuverlässig – Einschätzungen ohne Material sind es nicht.

22. Nachfassmail entwerfen

Gesprächsnotiz einfügen, Entwurf erzeugen lassen mit der Regel: kein Druck, ein konkreter nächster Schritt, höchstens 120 Wörter.

23. Angebot verständlich machen

Angebotstext einfügen, die drei Stellen benennen lassen, an denen ein Kunde stocken würde. Warum so: Nicht umschreiben lassen – die Stellen zeigen lassen.

24. Absagegründe auswerten

Liste der Ablehnungen mit Gründen einfügen, Muster benennen lassen und je Muster eine mögliche Ursache im Marketing.

25. Referenz aus Notizen

Projektnotizen einfügen, Entwurf für eine Kundenreferenz erzeugen lassen – mit der Regel, keine Zahl zu verwenden, die nicht in den Notizen steht, und den Text als Entwurf für die Freigabe durch den Kunden zu kennzeichnen.

Achtung Bei Prompt 21, 24 und 25 fließen Kundendaten in ein fremdes System. Das ist eine Auftragsverarbeitung: Vertrag, Nennung in der Datenschutzerklärung und Prüfung, ob Eingaben zum Training verwendet werden – bei Geschäftstarifen üblicherweise ausgeschlossen, bei Privattarifen nicht immer. Wer das nicht geklärt hat, arbeitet mit anonymisierten Angaben.

Fazit

Eine Prompt-Sammlung veraltet, ein Bauprinzip nicht. Ausgangslage, nummerierte Aufgaben, Regeln, Ausgabeform – dazu ein Erfindungsverbot und bei Prüfaufgaben die Anweisung, nicht zu loben und nicht umzuschreiben.

Wer diese sechs Elemente kennt, braucht keine Sammlung mehr. Die 25 oben sind Beispiele dafür, wie es zusammengesetzt aussieht.

Häufige Fragen

Welche Prompts helfen im Marketing-Alltag?

Am meisten die Prüf-Prompts: Substanzprüfung eines Entwurfs, Zitierfähigkeit für Antwortmaschinen, Einwandabdeckung einer Landingpage. Danach folgen Recherche und Sortierung – Suchbegriffe bündeln, Einwände sammeln, Themen aus echten Kundenfragen ableiten. Am wenigsten hilfreich sind offene Schreibaufträge ohne eigene Substanz.

Wie baut man einen guten Prompt auf?

Aus vier Bausteinen in dieser Reihenfolge: Ausgangslage (wer ihr seid, welche Zahlen gelten), nummerierte Aufgaben (eine Handlung je Punkt), Regeln (was nicht passieren soll, einschließlich Erfindungsverbot) und Ausgabeform (Tabelle, Liste, Länge). Die wichtigste Anweisung gehört an den Schluss, nicht in die Mitte.

Warum liefert das Modell nur Zustimmung statt Kritik?

Weil die Anweisung fehlt, nicht zu loben. Ohne den Zusatz „Sei streng; lobe nichts" beginnt fast jede Antwort mit einer Würdigung des Gelungenen, und die verwässert die anschließende Kritik. Ebenso wichtig ist „Schreibe den Text nicht um" – eine fertige Überarbeitung verdeckt, was falsch war.

Wie verhindert man erfundene Zahlen?

Durch eine ausdrückliche Regel im Prompt: keine Zahl verwenden, die nicht in der mitgelieferten Ausgangslage steht, und Unbekanntes als „nicht erhoben" oder „[Angabe fehlt]" kennzeichnen. Ohne diese Regel ergänzt jedes Modell plausibel wirkende Werte – besonders bei Suchvolumen, Marktzahlen und Studien.

Dürfen Kundendaten in einen Prompt?

Nur wenn die Auftragsverarbeitung geregelt ist: Vertrag mit dem Anbieter, dessen Nennung in der Datenschutzerklärung, eine Grundlage für die Übermittlung ins Ausland, und die Prüfung, ob Eingaben zum Training verwendet werden. Ist das nicht geklärt, gehören in den Prompt nur anonymisierte Angaben.

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